Freiwilliger Zivildienst statt Zwangsbürgerdienst
Friedensrat sagt NEIN zu Service Citoyen. Die Initiative fordert Zwangsdienst für alle, was EMRK-widrig ist. Sie ignoriert Frauenarbeit, führt zur Militarisierung und gewichtet Pflichten höher als Menschenrechte.
October 27, 2025

Die Service-Citoyen-Initiative für einen allgemeinen BürgerInnendienst an der Gesellschaft hatte am 30. November keine Chance. Kein Wunder, fast alle waren gegen diese von einer kleinen Gruppe lancierte Volksinitiative «für eine engagierte Schweiz», die grossen Parteien rechts wie links, die Wirtschaftsverbände, die Frauen. Kein Wunder, denn eine Dienstpflicht für alle, neben der bisherigen militärischen wie zivildienstlichen für Männer neu für alle Frauen und tendenziell auch für Personen ohne Schweizer Bürgerrecht, hätte nicht nur gegen Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention, der jegliche Form von Zwangs- oder Pflichtarbeit verbietet, verstossen, sondern unter dem Vorwand der Geschlechtergleichstellung auch die Frauen zwangsverpflichtet.
Zudem wäre ein solcher BürgerInnendienst auch Wegbereiter für die Einführung einer vom Parlament und Bundesrat so rasch als möglich geforderten Sicherheitsdienstpflicht gewesen, die mit der Zusammenlegung von Zivilschutz und Zivildienst zu einem Katastrophendienst nicht nur faktisch den heutigen Zivildienst abgeschafft hätte, sondern dank der Service-Citoyen-Initiative nicht nur Männer, sondern auch Frauen hätte rekrutieren können.
Statt den Zivildienst einzuschränken (dagegen richtet sich das laufende Referendum – vgl. Seite 18) oder gar abzuschaffen, ist es vielmehr sinnvoll, ihn für die Frauen zu öffnen – selbstverständlich auf freiwilliger Basis. Und den Dienst mit attraktiven Bildungsangeboten und notwendiger Infrastruktur auszurüsten. Vorstösse für einen solchen freiwilligen Zivildienst für Frauen sind im Parlament leider schon zweimal gescheitert.
Heute gibt es 4300 Einsatzbetriebe, in denen Männer Zivildienst leisten können und die keine Lohnarbeit konkurrenzieren. Dazu zählen Einsätze in Heimen, Schulen und heilpädagogischen Einrichtungen, aber auch in Kindertagesstätten und schulergänzenden Tagesstrukturen. Im Bereich Landschaftspflege, Biodiversitätsförderung oder Berglandwirtschaft gäbe es noch viel mehr zu tun. Die Ablehnung des Service citoyen wäre jetzt eine Chance, den freiwilligen Zivildienst für Frauen wieder in die Diskussion einzubringen.
Peter Weishaupt