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Im Volkshaus Zürich fand am Samstag, 29. November 2019 die Veranstaltung „gewaltfrei altern“ im Rahmen der Kampagne: 16 Tage gegen Gewalt an Frauen* statt. Die Kampagne will für Gewalt gegen Frauen sensibilisieren, Organisationen in diesem Bereich vernetzen und neue Präventionsansätze entwickeln.

Um auf die zahlreichen Formen von Gewalt an Frauen hinzuweisen und klar zu machen, dass Gewalt an Frauen ein multidimensionales Problem ist, wird jedes Jahr ein Fokusthema konzipiert. Die Kampagne 2019 war dem Thema „Gewalt im Alter“ gewidmet.

Der Schweizerische Friedensrat, die unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (UBA) und SPITEX Zürich Sihl hat die Podiumsdiskussion „gewaltfrei altern“ organisiert.

Maria Ackermann und Jenny Heeb vom Schweizerischen Friedensrat haben in der Einleitung die Agenda 2030, die Istanbul Konvention und die UNO Resolution 1325 vorgestellt. Es sind dies internationale Dokumente die Kriterien und Schritte für eine gerechtere Welt beschreiben.

Die Agenda 2030 («Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung») bildet den globalen Referenzrahmen für nachhaltige Entwicklung. Die Schweiz setzt sich für die Umsetzung der Agenda 2030 sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene ein. Die Referentin ging auf die 4 aus 17 Zielen ein, welche die Thematik des Abends betrafen:

Ziel 3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Ziel 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern

Ziel 16: Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen

Ziel 17. Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen.

Mit dem Video wurde die Istanbul- Konvention vorgestellt. Das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt ist der volle Name der Konvention. Sie hat das Ziel, geschlechtsspezifische und familiäre Gewalt an ihren Wurzeln zu bekämpfen und die Rechte der Gewaltbetroffenen auf Unterstützung und Schutz durchzusetzen. Die Istanbul-Konvention ist ein rechtsverbindliches Instrument gegen Gewalt, aber auch für Gleichstellung.

Jenny Hebb hat dem Publikum die Resolution 1325 vorgestellt. Der UNO-Sicherheitsrat hatte am 31. Oktober 2000 mit der Resolution 1325 zum ersten Mal anerkannt, dass Frauen im Kontext von Krieg und Frieden andere Erfahrungen machen als Männer. Ziel der Resolution ist es zudem, dass Frauen und Mädchen während und nach Gewaltkonflikten besser geschützt werden und sexualisierte Gewalt verhindert wird.

Sie verlangt von den Vereinten Nationen, den Regierungen der Mitgliedsstaaten und von nichtstaatlichen Kriegsparteien umfassende Massnahmen zur Gewaltprävention und Strafverfolgung der Täter.

Danach wurden die praktischen Erfahrungen vor Ort von Ruth Mettler Ernst von der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter (UBA), Zürich und Dr. Devrim Yetergil Kiefer, Geschäftsleiterin der SPITEX Zürich Sihl vorgestellt.

Bei der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter (UBA) erhalten alte Menschen und ihre Angehörigen, in der Altersarbeit tätige Personen und Institutionen Rat und Unterstützung bei Konflikten, in der Betreuung und Pflege, beim Wohnen, bei Finanzen etc. Die Beschwerdestelle ist politisch und konfessionell unabhängig.

Alle direkt betroffenen Personen – ältere Menschen, Angehörige, Freunde, Nachbarn, Drittpersonen können die Hilfe von der UBA beanspruchen. Jeder fünfte ältere Mensch in der Schweiz ist Opfer von psychischer, physischer oder struktureller Gewalt. Diese hat im Alter viele Gesichter: Finanzielle Ausbeutung, Vernachlässigung, Bevormundung, Körperverletzung oder Freiheitsentzug. Ruth Mettler legte dar, welche Unterstützung die UBA bietet.

Dr. Devrim Yetergil Kiefer von der SPITEX Zürich Sihl hat über die SPITEX und deren Umgang mit Gewalt im Alter gesprochen.

Das Motto von SPITEX „Hilfe und Pflege zu Hause“ ermöglicht den Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Zürich eine gute Lebensqualität in den eigenen vier Wänden bis an das Lebensende. Drei Viertel der Spitex-Kundinnen und -Kunden sind 65 Jahre alt und älter. Die Dienstleistungen bieten Hilfe zur Selbsthilfe, unterstützen eine selbstbestimmte Lebensgestaltung der Kundinnen und Kunden und sind daher immer subsidiär.

Mit der Spitex-Strategie 2022 soll die Spitex-Versorgung auf die zukünftigen Entwicklungen ausgerichtet und eine effiziente, effektive und sichere Versorgung der Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Zürich auch in Zukunft sichergestellt werden.

Im Anschluss des Podiums, das von Monika Wicki, vom Schweizerischen Friedensrates geleitet wurde, gab es die Gelegenheit für das Publikum Fragen zu stellen und Organisationen, die auch mit und für Menschen im Alter arbeiten, haben sich vorgestellt. Darunter waren:

Beim Abschlussapero wurde rege diskutiert. Der Abend hat den Beteiligten Impulse gegeben, wie ihr tägliches Engagement mit Internationalen Zielvorgaben verknüpft werden können und hat Mut gemacht die Gewaltsthematik anzusprechen und nach Lösungen zu suchen.


Die Organisationen der Kampagne 2019 16 Tage gegen Gewalt an Frauen* , die schon zum 12 mal vom Christlichen Friedensdienst koordiniert worden ist, fordern ein Leben ohne Gewalt für alle Frauen*, ein würdevolles Altern für alle Menschen, umfassende Umsetzung der Istanbul-Konvention, Anerkennung und faire Verteilung von Care-Arbeit, genügend finanzielle Mittel für Anlaufstellen gegen Gewalt, gute Arbeitsbedingungen für Pflegende in Institutionen, ausreichende Entlastungsangebote für pflegende Angehörige.

Schweizweit wurden an über 100 Veranstaltungen von über 100 Organisationen über die Thematik informiert und debattiert. Eindrücklich wurde auch aufgezeigt, wie Frauen überall auf der Welt an einem Netzwerk der Gewaltfreiheit und Gewaltprävention aber auch der Aufarbeitung von Gewaltserfahrungen knüpfen. Mehr Information: www.16tage.ch

Der Bericht von Diana Hrytsyshyna und Maria Ackermann

Die Fotos von Diana Hrytsyshyna

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